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Einhand von Sandhamn nach Makkum - Fortsetzung

Kiel Holtenau Anleger

Gegen 06.00 Uhr komme ich in Kiel Holtenau an, mache am Steg direkt vor der alten Schleuse fest. Ich gehe auf den Steg – welch ein Glücksgefühl! Haue mich, kaum dass Kala fest ist, in die Koje und schlafe tief und gut bis mittags. Wache auf, und bei dem Gedanken, ein ordentliches Pensum geleistet zu haben, bin ich sofort putzmunter. Mache einen kleinen Spaziergang, schöne Vorkriegs-Backsteinvillen stehen hier. Während ich mich am frühen Nachmittag zum Ablegen vorbereite, legt ein älterer Herr am Steg an. Wir klönen. Ein 70-
jähriger, rüstiger Rentner, munterer Typ, positiv und entspannt. Im Winter fährt er wohl noch aushilfsweise zur See, im Sommer schippert er zahlende Gäste auf einem kleinen Dampfer. „Macht Spaß“. Sein Boot ist klein und bescheiden, er hat es in Schilksee liegen, von seinem Appartement kann er direkt auf den Hafen schauen. So ein Glückspilz, denke ich als Bonner Landratte. „Schönes Boot haben Sie“, meint er ohne Neid. Und macht sich auf den Weg zu einer Tasse Kaffee bei alten Bekannten. Der Typ gefällt mir.

Ich lege ab, verhole mich in den Schleusenvorhafen. Sechs bis sieben Boote warten auf Durchschleusung. Kein großer Pott dabei, prima, das macht es einfacher. Die Crew auf dem Boot vor mir übernimmt in der Schleuse meine Vorleine. Hinter mir macht ein alter Krabbenkutter fest. Dort beste Stimmung, live-Musik, Zapfanlage hinterm Steuerrad. Hat Stil, nicht schlecht. Natürlich laden Sie mich auf ein Bier ein. Das schmeckt! So gemütlich hätte ich mir das Schleusen nicht ausgemalt – das kann alles ja auch schon mal ein bisschen hektisch zugehen, insbesondere wenn man alleine festmachen muss und sich irgendwelche fetten Pötte breit machen… Die Schwimmstege in der Schleuse sind eine große Erleichterung – zwar etwas glitschig beim Betreten, aber wenn das Schiff am Steg fest ist, braucht man danach beim Schleusen die Leinen nicht nachzuführen. Praktisch.

Weiter geht es auf dem Kanal nach Rendsburg, wo ich wieder im wunderschönen kleinen Hafen vor der Stadt liege. Komme bestens in die Box. Abends koche ich, telefoniere mit Dagmar und den Kindern, plane meine Tour weiter und verkrieche mich früh in die Koje. Wache am nächsten morgen um 08.00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf, nach kalter, klarer Nacht. Ein paar Mal drehe ich mich noch in meiner Koje um, dann gibt es Frühstück im Cockpit. Es ist ein spätsommerlicher, herrlicher Morgen. Lese in der Yacht-Classic die faszinierende Geschichte von der „Atlantic“, die die Trophäe des Kaisers für die schnellste Atlantic-Überquerung 1905 geholt und fast 100 Jahre gehalten hat!! Draußen fährt der singende Kutter vorbei, die haben auch in Rendsburg Zwischenstopp gemacht. Wunderbar – ein gute-Laune-Friedens-na-trotzdem-Schiff. Klasse. Jetzt ist es auch für mich Zeit, aufzubrechen, nach Brunsbüttel. Die Kanalfahrt unter Motor wird natürlich etwas öde – vertreibe mir die Zeit mit iPod-Musik-hören, Singen und Pfeifen. Herrlich, zumal ich mit dem Wetter Glück habe. Ein kleines Schauerchen, sonst viel Sonne. Nach etwa acht Stunden komme ich in Brunsbüttel an, wähle den kleinen Hafen unmittelbar an der Schleuse. Soll der schönste Hafen sein. Direkt am Hafen stehen die Leute und schauen den Containerschiffen beim Schleusen zu. Einhand-anlegen vor Publikum – das liebe ich… Zum Glück übernimmt die nette Crew vom Nachbarschiff wieder meine Vorleine. Perfektes Anlegemanöver. Bin ein bisschen stolz, Kala inzwischen auch im Hafen besser im Griff zu haben. Gönne mir im Hafenrestaurant auf der Terrasse erst ein kühles Bier und eine Ofenkartoffel mit Krabben - das schmeckt! Man muss nur lange genug Nudeln mit Tomatensoße kauen, dann schmeckt sowieso alles andere. Sitze mit Blick auf Kala, die viele Bewunderer hat. Etliche Segler am Steg mustern sie genau. Holländische Bootsbaukunst. Mein Eignerherz freut sich natürlich. Kala ist mal wieder das schönste Schiff im Hafen. Ansonsten liegt da auch noch eine interessante Aluyacht am Steg. Offenbar ein Einzelbau. Leider komme ich mit dem Eigner nicht ins Gespräch. Hinterm kleinen Hafen fahren die großen Schiffe zum Greifen nahe aus den Schleusen heraus. Es ist ein Idyll mit Kontrasten. Den Abend beschließe ich mit meiner Törnplanung von Brunsbüttel nach Holland. Jetzt bestimmt der Tidenkalender meine weitere Reise.

Siebter Tag, 08.15 Uhr: Komme zu spät los, verquatsche mich noch am Steg. Bis ich durchgeschleust habe ist es viertel vor neun, hoffentlich komme ich noch mit ablaufender Tide an Cuxhaven vorbei! So – jetzt geht’s los. 530 sm seit Start in 
Sandhamn. Nun folgt der Etappe zweiter Teil über die Nordsee nach Makkum. GUTE FAHRT!

 

 

Fortsetzung des Einhand-Überführungstörns



Die Seenotretter: DGzRS