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Einhand von Sandhamn nach Makkum - Fortsetzung

Auf See

Das Inseldörfchen ist ein kleines friesisches Juwel. Ich bin begeistert. Hole mir ein halbes Hähnchen mit Pommes – mmmh, es schmeckt ausgezeichnet, als ich mich darüber im gemütlichen Salon hermache – nach meiner extrem eintönigen Küche ist das jetzt das reinste Festessen! Zum Glück hatte ich mir noch sechs Äpfel eingesteckt, als ich nach Stockholm flog. Jeder Apfel war ein kulinarisches Highlight. Das einzige Frische, was ich hatte. Selten hatte ich so köstliche Äpfel gegessen. Jeden Tag gab es einen… Es ist eben alles relativ. Ganz schnell ist so ein Apfel auf einmal etwas ganz Besonderes. Mit meinen Lieben zu Hause telefoniert. Bin stolz und dankbar, dass alles so gut geklappt hat. Nun bin ich nur noch einen Tagestörn von Makkum entfernt.

Der Tidenkalender bestimmt wieder meinen Start am nächsten morgen. Es ist ungemütlich, regnet, der Wind hat gedreht und kommt jetzt genau von der Seite.

Also wird es schwierig, alleine aus der Box zu kommen. Bin etwas aufgeregt und
hektisch, aber es geht mit Ach und Krach. Draußen ist es bei frischer Brise ziemlich kabbelig. Setzte Fock und Klüver und laufe mit Tidenstrom und am Wind wieder um die 10 Knoten über Grund. Lasse die Rehling lässig durch’s Wasser ziehen und genieße trotz Regen noch mal diese Rauschefahrt und Kala in ihrem Element, g... :-). Kurz vor Harlingen geht es dann vor dem Wind Richtung Süden zur Schleuse Konwerderzand. Es sind etwa zwei Stunden nach Niedrigwasser, habe zeitweise nur einen halben Meter unterm Kiel.

 

Zeezot

Vor der Schleuse warten zwei weitere Segler, es ist wenig los bei diesem Wetter. Die meisten sind halt Schönwettersegler. Wir warten eine dreiviertel Stunde, bis wir mit einem Kümo durch die Schleuse kommen. Durch die hohen Schleusenwände ist der Wind abgeschirmt, so dass ich alleine beim Festmachen gut zu recht komme. Dann heißt es noch ein letztes Mal Segel setzen, eine halbe Stunde noch bis Makkum! Als ich ruhig, langsam und zufrieden in den Makkumer Hafen hineintuckere, traue ich meinen Augen kaum: Da liegt Zeezot, dass Schiff, das ich
mir letztes Jahr in der Karibik angeschaut habe. Auch ein Koopmans-Riss und ein richtiges, kleines Zigeunerschiffchen für die ganz lange Fahrt. Ich hatte damals fast zugeschlagen. Und jetzt ist sie meine neue Nachbarin!

Auch wenn ich zwischendrin manchmal über’s Essen, Regen, Kälte und meinen unerbittlichen Wecker geflucht habe, auch solo-segeln hat etwas für sich, durch die Konzentration, man ist einfach mit jeder Faser ganz intensiv dabei. Ich bin richtig glücklich, als ich Kala in ihrer Box in Makkum an die Leinen lege. Ein großer Sommertörn mit mehreren, abwechslungsreichen Etappen geht zu Ende. Schauen wir mal, was die neue Saison bringt.

 

 

Autor: Jost Kadel
E-Mail: jostkadel@yahoo.de
Blog: sy-kala.blogspot.com/2009/01/segeltrn-holland-rund-skagen-nach.html

 

 



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